Gerade Eltern, die ihr erstes Kind erwarten, fällt es oft schwer, sich die Geburt vorzustellen. Obwohl viele Geburtsgeschichten gerade auch im Internet kursieren, kann es schwer sein, eine realistische Vorstellung von diesem Ereignis zu bekommen.
Für viele Schwangere ist es ungewohnt, Vertrauen in den eigenen Körper zu haben und in die eigene Fähigkeit zu gebären. Gerade beim ersten Kind ist die Geburt eine große Unbekannte, es fehlt an Vorbildern und nicht selten gibt es hauptsächlich dramatische Erzählungen von Geburten, die in Erinnerung bleiben.
„Im Jahr 2024 gab es in Deutschland knapp 34 Prozent Kaiserschnitt-Geburten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Kaiserschnittquote von zehn bis 15 Prozent.”
Ist ein Kaiserschnitt planbar?
Da die meist ärztlich dominierte Geburtshilfe eher die Risiken betont, kann dir die geplante Geburt per Wunschkaiserschnitt als ideale Lösung erscheinen. So wird beim Geburtsplanungsgespräch mit der Hebamme oder bei der Anmeldung in der Klinik nicht selten nach einem planbaren Kaiserschnitt gefragt. Für die Entscheidung über die Art der Geburt solltest du dich ausführlich beraten lassen, um alle Vor- und Nachteile abzuwägen.
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland knapp 34 Prozent der Kinder mit Kaiserschnitt geboren. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Kaiserschnittquote von zehn bis 15 Prozent, darüber gibt es keine positiven Effekte für die Gesundheit von Mutter und Kind oder auf mögliche Risiken.
Da in Deutschland jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren wird, entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um eine unkomplizierte Geburtsmethode handelt. Du solltest wissen, dass ein Kaiserschnitt trotz aller Routine eine große Bauchoperation ist: Für Gebärende besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen und Infektionen nach der Geburt sowie ein erhöhtes Thromboserisiko.
Welche Risiken birgt ein Kaiserschnitt für das Baby?
Nach einer Kaiserschnittgeburt erholst du dich oft langsamer, und das Stillen kann schwieriger starten. Für dein Baby ist die Umstellung auf das Leben „draußen“ oft schwerer als bei einer vaginalen Geburt, weil die Wehen als Vorankündigung fehlen. Ein Kaiserschnittbaby hat in den ersten Stunden eher Atemprobleme und so genannte Anpassungsstörungen. Studien zeigen bei Kaiserschnittbabys ein leicht erhöhtes Risiko, an Allergien, Asthma oder Diabetes Typ 1 zu erkranken. Seit einigen Jahren forschen Expert:innen, ob das fehlende vaginale Mikrobiom der Mutter für die Babys Auswirkungen hat.
Was sind die medizinischen Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt?
Bei einem Kaiserschnitt wird zwischen der geplanten Variante, der primären Sectio, und der ungeplanten Variante als sekundäre Sectio unterschieden. Ein geplanter Kaiserschnitt ist etwa nötig bei Erkrankungen der Mutter, wie z. B. einer Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck.
Wenn die Plazenta vor dem Muttermund liegt (eine so genannte Plazenta praevia) oder das Baby quer im Bauch liegt, wird ebenfalls ein geplanter Kaiserschnitt durchgeführt. Bei einer Beckenendlage (das Baby liegt mit dem Kopf nach oben) oder einer Zwillingsgeburt kommt es auf die individuellen Gegebenheiten von Mutter und Kind an. Und darauf, ob die Geburtshilfe der jeweiligen Klinik einen geplanten Kaiserschnitt empfiehlt.
Gibt es eine Bauchgeburt auf Wunsch?
Ein sekundärer, ungeplanter Kaiserschnitt wird immer dann nötig, wenn es sich im Laufe einer vaginalen Geburt Risiken für Mutter und Kind ergeben. Dazu zählen etwa ein deutlich verlangsamter Geburtsverlauf oder schlechte Herztöne des Babys.
Über die Art der Geburt gibt es unter Frauen und Eltern zum Teil heftige und emotionale Diskussionen. Nicht selten wird pauschal die vaginale Geburt als der natürliche Weg dargestellt und der Kaiserschnitt als Geburt zweiter Klasse. Noch immer fühlen sich Mütter, die per Sectio geboren haben, schuldig und nicht als Gebärende.
Seit einiger Zeit wird der Kaiserschnitt auch als Bauchgeburt bezeichnet, um deutlich zu machen, dass es ebenfalls eine Geburt ist und nicht ein rein chirurgischer Eingriff.
Ist ein Eingriff ohne medizinischen Grund möglich?
Wenn du dir während deiner Schwangerschaft einen geplanten Kaiserschnitt wünschst, solltest du dich dafür nicht rechtfertigen müssen. In den meisten Kliniken ist es jedoch üblich, dass du eine ausführliche Beratung erhältst und über die Vor- und Nachteile aufgeklärt wirst. Manche Kliniken bieten zusätzlich ein Gespräch mit einer Psychologin an oder setzen es voraus, um auch die psychischen Hintergründe deines Wunsches besser zu verstehen.
Ein Wunschkaiserschnitt ist ein Eingriff ohne medizinischen Grund. Es gibt Kliniken, die ihn deswegen nicht durchführen. Und er wird von den Krankenkassen nicht bezahlt. Doch viele Geburtshelfer:innen bewerten das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren höher und möchten ihr daher den von ihr gewünschten Geburtsweg ermöglichen.
In der ärztlichen Leitlinie zum Kaiserschnitt steht, dass nach einem ausführlichen Gespräch, der Darstellung aller Risiken und einer möglichen Beratung durch eine Psychologin dem Wunsch der Frau nach einem Kaiserschnitt entsprochen werden soll.
Wie kannst du mit deinem Wunsch nach einer Bauchgeburt umgehen?
Hast du den Wunsch nach einer Bauchgeburt? Deine Gefühle und Gedanken sind wichtig. Was bewegt dich? Hast du Angst vor Schmerzen oder vor einem Kontrollverlust? Hast du vielleicht ein traumatisches Erlebnis bei einer früheren Geburt erlebt? Oder machst du dir Sorgen um deinen Körper, dein Liebesleben oder die Gesundheit deines Kindes?
Sprich offen mit deiner Hebamme, deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt oder aber einer Psychologin. Sie können dir zuhören, deine Gründe verstehen und dir mögliche Alternativen oder Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen. Oft sind mehrere Gespräche hilfreich, um herausfinden zu können, wie der Wunsch nach einem Kaiserschnitt entstanden ist und welche Unterstützung du als Schwangere für deine Entscheidung brauchst.


