Babywelt

Schlaflieder aus aller Welt

Auf der ganzen Welt singen Eltern ihre Kinder in den Schlaf. Was erzählen uns diese Lieder? Und wie können Schlaflieder beim Schlafengehen und einem geborgenen Gute-Nacht-Ritual helfen?

Schlaflieder als Einschlafhilfe

Wenn es Abend wird und dunkel und die Welt draußen langsamer rotiert, wollen wir den Tag verabschieden und das Kind sanft und leise in den Schlaf wiegen. Das sagt sich so leicht. Denn – das kennen viele Große selbst – egal wie schön, aufregend oder anstrengend unser Tag gewesen sein mag: Manche Kinder finden nicht zur Ruhe. Und während jungen Eltern die Augen schon vor Erschöpfung zufallen, tun sich deren Babys oft schwer, in den Schlaf zu finden. Deshalb sollten die Kleinen beim Übergang in den Schlaf nicht alleine sein. Ein Wiegenlied kann beim Gute-Nacht-Ritual Wunder wirken. Wenn „Schlaf, Kindlein, schlaf“ also tatsächlich gesungen wird, fällt der Abschied vom Tag und Mama oder Papa schon etwas leichter.

Wie Wiegelieder wirken

Unmittelbar vorgetragene Schlaflieder senken die Atem- und Herzfrequenz von Säuglingen. Von CDs oder anderen Tonträgern abgespielte Lieder sind jedoch kein guter Ersatz, denn es ist tatsächlich Mamas oder Papas sanfte Stimme, die mit ihrem niedrigen Tempo – nämlich langsamer als die Herzfrequenz des Kindes –, und einfachen, sich wiederholenden Melodien eine beruhigende Wirkung haben.

 

Seit Jahrhunderten werden Kinder in aller Welt in den Schlaf gesungen. Viele Lieder handeln davon, zur Ruhe zu kommen und behütet zu sein. Viele Lieder entführen aber auch in andere Welten. Wir haben einige Wiegenlieder zusammengetragen.

NORWEGEN: Bissam, bissam baad’ne (Schaukel, schaukel, Kindlein)

Bissam, bissam baad’ne,

gryta hængø i jod’ne,

koka full tå rjumegraut

åt dæ vesle baad’ne.

Far, han sittø og harpa kødn more,

ho blæsø saa vakkert hødn,

syste, ho sittø aa spinnø gull,

bror, han gaar i skogen,

jaga allø villø dyr.

 

Schaukel, schaukel, Kindlein, der Topf hängt auf dem Herd,

Brei aus Sauerrahm wird für das kleine Kind gekocht.

Vater entfernt die Hülsen von den Weizensamen,

Mutter spielt das Horn so schön,

die Schwester sitzt und spinnt Gold,

der Bruder ist im Wald,

er jagt die wilden Tiere

 

Dieses Schlaflied wurde erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts schriftlich aufgezeichnet und enthält Begriffe, die in der heutigen norwegischen Sprache nicht mehr geläufig sind. Gesungen wird es aus der Perspektive eines Beobachters, der den Alltag schildert: das schlichte Landleben, das Zusammenleben der Familie. Der Vater hilft in der Küche, während die Mutter musiziert. Liegt das fortschrittliche Selbstverständnis der Norweger zur Gleichstellung von Mutter und Vater etwa in einem Wiegenlied begründet?

IRAN: Lala lala (Schlaf, schlaf)

Die alten Perser sind für ihre ausgeschmückte Poesie bekannt. So sind auch ihre Wiegenlieder Prachtstücke der Dichtkunst. Seit der Islamischen Revolution 1979 dürfen Frauen im Iran öffentlich nur in Chor-Formation singen. Schlaflieder sind die einzig gestattete Form des weiblichen Sologesangs. Sie beruhen auf uralten, mündlichen Überlieferungen, die oft auch die ethnische Vielfalt des Iran widerspiegeln. „Lala lala“ wird traditionell von der Mutter für den Sohn gesungen.

 

Lala lala gole baghe beheshtam, Lala lala to budi sarneveshtam, Bekhab ei moonese rooh-o ravanam, Bekhab ei bolbole shirin sabanam.

Lala …

Bekhab ei djune shirin rahate del, Tsho bolbol naghmesan dar sahate del, Bekhab ei ghoncheie nashkofteie man,

Bekhab ei gohare nasofteie man.

Lala …

 

Schlaf, du Blume meines Paradiesgartens, du bist meine Schicksalsgabe,

schlaf, du Vertrauter meiner Seele, schlaf, du schön singende Nachtigall.

Lala …

Schlaf, du mein süßes Leben,

die wie die Nachtigall meine Seele besingt, schlaf, du meine ungeöffnete Knospe, schlaf, du unverarbeiteter Juwel.

Lala …

VENEZUELA: Duérmete mi niño (Schlaf, du mein Kind)

In Lateinamerika gibt es Schlaflieder, die ursprünglich nicht von den Eltern gesungen wurden. Sie stammen aus einer Zeit, als die Menschen auf Plantagen arbeiteten – und ihre Kinder in die Obhut einer Vertrauensperson gaben. In dem Lied aus Venezuela klärt die Betreuerin recht deutlich die Verhältnisse. Es wird zur Melodie der venezolanischen Nationalhymne gesungen. Varianten des Liedes lassen sich in mehreren lateinamerikanischen Ländern finden.

 

Duérmete mi niño, que tengo qué hacer,

lavar los pañales sentarme a coser.

Este niño quiere que lo duerma yo. Duermalo su madre que ella lo encargó.

 

Schlaf, du mein Kind, ich habe viel zu tun,

da ich Windeln waschen muss und nähen.

Dieses Kindchen will, dass ich es zum Einschlafen bringe.

Aber soll es doch die Mutter machen, sie hat es ja geboren.