Aus dem Bauch auf den Bauch
Wenn nach der Geburt alles gut läuft, darf dein Baby direkt auf deiner nackten Brust oder der deines Partners oder deiner Partnerin liegen. Dieser erste Haut-zu-Haut-Kontakt in der sogenannten magic hour ist wichtig, weil er die emotionale Verbindung zwischen euch stärkt. Bei dem Prozess des Bondings werden Hormone ausgeschüttet, die euch helfen, eine enge und liebevolle Beziehung aufzubauen. In den ersten Tagen lernst du, dein Baby zu spüren und seine Bedürfnisse zu erkennen. So kann dein Kind ein gesundes Urvertrauen entwickeln. Auch wenn es nach der Geburt Hindernisse gibt, zum Beispiel durch eine schwierige Geburt oder Krankheit, kannst du die Bonding-Momente nachholen und trotzdem eine starke Bindung aufbauen.
Wie Hautkontakt dem Baby Sicherheit gibt
Für dein Neugeborenes ist das wichtigste Gefühl die Nähe zu dir oder deinem Partner oder deiner Partnerin. Babys merken, wenn Eltern auf ihre Signale achten und sich ihnen zuwenden. Sind sie sicher und geborgen, fühlen sie sich vor Gefahren geschützt. Gerade in den ersten Monaten ist diese Sicherheit durch körperliche Nähe besonders wichtig. Ob im Arm, im Bett, im Tragetuch oder in der Tragehilfe – das Baby fühlt sich durch eure Nähe wohl und wird gleichzeitig gewärmt. Am Anfang kann dein Baby seine Körpertemperatur noch nicht gut selbst regulieren, der Körperkontakt hilft ihm dabei.
Die Haut deines Babys ist voller Rezeptoren, die auf Berührung reagieren. Wenn das Gehirn sanfte Haut-zu-Haut-Berührungen wahrnimmt, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Liebevoller Körperkontakt sorgt also immer für eine Oxytocin-Ausschüttung, die euch beide entspannt, Ängste mildert, den Blutdruck senkt, den Cortisol-Spiegel verringert und das Immunsystem stärkt. Diese positiven Gefühle festigen die Bindung zwischen dir und deinem Kind.
Warum es ohne Berührung und Nähe nicht geht
Berührungen sind für die gesunde emotionale Entwicklung deines Kindes sehr wichtig. Schon im Mutterleib spürt dein Baby Berührungen, bei der Geburt erlebt es Körperkontakt und wird zum ersten Mal von deinen Händen gehalten. Im Alltag erfährt dein Baby Berührungen beim Stillen, Tragen, Kuscheln und besonders bei der Körperpflege, wenn es direkten Hautkontakt spürt. Fühlt sich das Baby sicher und geborgen, kann es auf dieser Basis beginnen, eigene Erfahrungen zu machen.
Aus der Geborgenheit heraus entsteht Vertrauen. Dein Kind spürt, dass seine Bedürfnisse gesehen und erfüllt werden. So kann es nach und nach seine ersten Erfahrungen auf dieser anfangs völlig neuen Welt machen.
„Durch Tragen, Halten und Kuscheln sammelt dein Kind wertvolle Berührungserfahrungen. Diese stärken nicht nur die gegenseitige Bindung, sondern wirken sich auch positiv auf die Gehirnentwicklung aus.”
Gerade in den ersten Jahren haben Eltern vielleicht manchmal das Gefühl, dass ihr Kind ständig auf Tuchfühlung mit ihnen ist. Dabei ist von Anfang an alles darauf ausgerichtet, dass das Baby Schritt für Schritt selbstständiger wird und die Welt auf eigene Faust entdeckt. Eltern bleiben in diesem Prozess der sichere Rückzugsort, hier bekommt das Baby Liebe, Mut und Zuversicht. Durch Tragen, Halten und Kuscheln sammelt dein Kind wertvolle Berührungserfahrungen. Diese stärken nicht nur die gegenseitige Bindung, sondern wirken sich auch positiv auf die Gehirnentwicklung aus.
Der Tastsinn ist bei der Geburt einer der am besten entwickelten Sinne deines Babys. Er ermöglicht das Empfinden von Berührungen, das Wahrnehmen von Temperatur und Schmerz sowie die Orientierung des eigenen Körpers im Raum, auch Raumlagesinn genannt. Schon als Baby stehen dafür spezielle Rezeptoren in der Haut zur Verfügung. Die so aufgenommenen Informationen werden an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. In jeder Gehirnhälfte, im „sensomotorischen Kortex“ in der Großhirnrinde, befindet sich eine Art Landkarte des Körpers mit seinen einzelnen Bereichen. Je nach Empfindlichkeit der Körperregion nehmen diese unterschiedlich viel Platz dort ein. Lippen, Zunge und Fingerspitzen etwa beanspruchen mehr Raum als größere, aber weniger empfindsame Körperteile wie der Rücken.
Was macht die Mundregion des Babys so sensibel?
Am Verhalten deines Babys kannst du schnell erkennen, dass vor allem die Mundregion besonders empfindsam ist. Alles, was spannend und neu ist, führt dein Kind nicht zufällig zum Mund – dort ist die Berührungsempfindlichkeit einfach viel stärker als an anderen Körperstellen. Über den Mund entdeckt dein Kind die Welt und sammelt so wichtige Informationen über Gegenstände und ihre Beschaffenheit. Sogar im Alter von fünf Jahren reagiert das Gesicht noch empfindlicher auf Berührungen als die Hände.
Auch beim Essen ist die Mundregion sehr sensibel und Babys lassen sich dort leicht irritieren. Wenn du dein Kind stillst, kann es zum Beispiel passieren, dass es nach einer Berührung an der Wange den Kopf abwendet. Und im Beikostalter kann es dein Kind stören, wenn du den Löffel am Lippenbereich abstreifst. Wischen Eltern ihrem Kind beim Essen ständig den Mund ab, kann das die Mahlzeit stören und manchmal sogar dazu führen, dass ihr Kind gar nicht mehr weiteressen möchte. Auch bei der Pflege deines Babys ist es wichtig, besonders auf die empfindlichen Bereiche zu achten. Vor allem Mund und Windelbereich solltest du ganz behutsam und achtsam berühren, damit sich dein Baby wohlfühlt.
Wie Eltern durch Berührung die Entwicklung des Babys fördern
Liebevolle Berührungen und vielfältiger Körperkontakt helfen deinem Baby nicht nur, seinen eigenen Körper besser kennenzulernen, sondern fördern auch die Gehirnentwicklung und die kognitiven Fähigkeiten. Beim Wickeln und Pflegen spürt dein Baby deine Berührungen, ob deine Hand warm oder kalt ist, ob du sanft oder etwas fester drückst. Wenn du die Pflege mit einer sanften Massage verbindest, kann dein Baby seinen Körper noch besser wahrnehmen und seine innere Landkarte erweitern. So werden Wickeln und Baden nicht nur zu einer Wohltat für Körper und Seele, sondern auch zu einer wertvollen Lernerfahrung für dein Baby.
Die Landkarte des eigenen Körpers im Gehirn wird schon während der Schwangerschaft ausgebildet. Jede Berührung, die der Fötus im Uterus erlebt, prägt sie. Nach der Geburt bildet sie sich weiter aus durch die Erfahrungen, die das Baby jetzt macht. Diese Landkarte steht zudem in Wechselwirkung mit anderen Regionen des Gehirns. Sie regt diese durch ihre eigene Aktivität an. Vielfältige respektvolle Körperkontakte und liebevolle Berührungen helfen dem Baby daher nicht nur, sich ein Bild vom eigenen Körper zu machen und diesen besser zu verstehen. Sie stimulieren auch sonstige Entwicklungen des Gehirns sowie von kognitiven Fähigkeiten.
Tipp:
- Vertraue auf dein Gefühl und beobachte die Reaktionen deines Babys, wenn du es berührst. Eltern müssen dazu keine festgelegten Massagegriffe auswendig lernen – viel wichtiger ist, dass du feinfühlig und mit deiner Aufmerksamkeit ganz bei deinem Kind bist. Genieße die vielen kleinen Berührungen im Alltag, nicht nur beim Wickeln. Sie tun dem Baby gut, stärken eure Bindung und sind gleichzeitig eine wertvolle Lernerfahrung für dein Kind.
Kennst du schon unsere Calendula Babypflege?
Ob Wickeln, Baden oder Körperpflege allgemein: Das Baby spürt jede Berührung auf seiner Haut. Es nimmt wahr, ob deine Hand warm oder kalt ist, ob sie stärkeren oder schwächeren Druck ausübt. Die Babypflege können Eltern mit einer sanften Streichelmassage verbinden. Dies bietet dem Baby die Möglichkeit, den eigenen Körper noch intensiver wahrzunehmen und seine innere Landkarte weiter auszubauen. Jedes Pflegeritual stärkt nicht nur den Körper, sondern auch die emotionale Verbindung. Eltern lernen dabei, das Baby liebevoll zu berühren, auf seine Signale zu achten und darauf einzugehen.








