Warum enthalten pflanzliche Arzneimittel Alkohol?
In der Pharmazie wird Alkohol (Ethanol) seit Jahrhunderten eingesetzt als natürliches Lösungsmittel zur Herstellung von Pflanzenauszügen sowie als hervorragendes Konservierungsmittel.
Alkohol als Lösungsmittel für pflanzliche Wirkstoffe
Für die Herstellung pflanzlicher Arzneimittel ist häufig Alkohol ein unverzichtbarer Hilfsstoff. Primäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Salze oder Zuckerverbindungen sind meist gut wasserlöslich. Sekundäre Inhaltsstoffe machen jedoch eine Pflanze erst zu einer Heilpflanze; dazu gehören Alkaloide und ätherische Öle. Die meisten dieser Stoffe sind in Alkohol besser löslich als in Wasser, sie werden meist mit Alkohol-Wasser-Gemischen aus den Pflanzenteilen extrahiert.
Alkohol als Konservierungsmittel
Der Alkohol in einer Mischung dient auch der Konservierung eines Extraktes und schützt ihn vor dem Verderben. So bleibt das Präparat über seine gesamte Haltbarkeitsdauer stabil.
Ist Alkohol in Arzneimitteln schädlich?
Ethanol ist kein synthetischer Fremdstoff. Er entsteht durch Gärung und ist von Natur aus in gewöhnlichen Fruchtsäften (0,1 bis 0,5 Prozent) sowie im menschlichen Blut (bis zu 0,03 Promille) enthalten.1
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch eines Arzneimittels ist die aufgenommene Ethanolmenge für die meisten Menschen unbedenklich. Die Alkoholmenge, die über eine einzelne Arzneimitteldosis aufgenommen wird, ist gering und wird vom Körper rasch verstoffwechselt.
Gesundheitsschädlich sind alkoholische Getränke als Genussmittel, vor allem, wenn sie regelmäßig konsumiert werden, die Gefahr eines Missbrauchs besteht oder wenn eine Lebererkrankung vorliegt.
Weniger als in Apfelsaft, Banane und Brot
Alkohol ist in zahlreichen Lebensmitteln als natürliches Nebenprodukt der Gärung enthalten. Ein direkter Vergleich verdeutlicht die Relationen:
15 Tropfen eines 33-prozentigen Arzneimittels enthalten ca. 0,091 g Alkohol.
Eine Scheibe Roggenbrot (100 g) enthält ca. 0,24 g Alkohol. Eine Banane (200 g) enthält ca. 0,48 g Alkohol. Ein Glas Apfelsaft (200 ml) enthält ca. 0,64 g Alkohol.1 Damit enthält es fast sieben Mal so viel Alkohol wie eine Einzeldosis des Arzneimittels. Auch Bananen und Brot liegen deutlich darüber. Vor diesem Hintergrund ist das Risiko, das von alkoholhaltigen Arzneimitteln bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ausgeht, als gering einzustufen.
Hinweis: Dieses Rechenbeispiel gilt nur für die jeweils genannten Mengen und Annahmen. Alkoholgehalt und Dosierung unterscheiden sich je nach Arzneimittel; maßgeblich sind die Angaben in der Packungsbeilage. Aus dem Vergleich mit Lebensmitteln lässt sich keine pauschale Risikobewertung für Arzneimittel ableiten.
Bedenken bei Kindern
Wie viel Alkohol steckt wirklich in den Tropfen?
Bei Kindern ist die Sorge der Eltern verständlicherweise besonders groß. Untersuchungen zeigen jedoch, dass bei Anwendung der für die jeweilige Altersgruppe empfohlenen Dosierung nur sehr geringe Blutalkoholkonzentrationen entstehen. So ergibt die Einnahme einer Einzeldosis eines Medikaments (20 Tropfen), das 12 Prozent Alkohol enthält, bei einem 6- bis 12-jährigen Kind einen Blutalkoholgehalt von maximal 0,008 Promille. Enthält das Arzneimittel 30 Prozent Alkohol, ergibt sich (bei 15 Tropfen) ein Gehalt von 0,015 Promille Alkohol im Blut. Zum Vergleich: Der Blutalkoholgehalt des menschlichen Körpers liegt von Natur aus bei bis zu 0,03 Promille.1
Die genannten Werte liegen also deutlich darunter; diese geringen Alkoholmengen werden innerhalb weniger Minuten vollständig abgebaut.1 Selbst bei dreimaliger täglicher Anwendung besteht keine Gefahr einer Anreicherung im Körper.
Hinweis: Die berechneten Werte gelten nur unter den beschriebenen Annahmen. Aufnahme und Abbau können u.a. von Präparat, Dosis, Alter, Körpergewicht und Gesundheitszustand abhängen. Die zugelassene Dosierung und Altersgrenze sind einzuhalten.
Wer sollte vorsichtig sein?
Für die meisten Menschen ist die Anwendung alkoholhaltiger Arzneimittel unproblematisch. Personen, die aus medizinischen Gründen keinen Alkohol einnehmen dürfen (z.B. bei Lebererkrankungen oder Epilepsie), sollten jedoch auf alkoholhaltige Präparate verzichten und vor der Anwendung ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.
Schwangere und Stillende sollten, wenn möglich, alkoholfreie Alternativen wählen und bei Unsicherheit einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren.
Kinder: Wird bei Kindern ein alkoholhaltiges Mittel eingesetzt, ist die angegebene Dosierungsempfehlung einzuhalten.
Bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer alkoholhaltiger Arzneimittel sollte man sich in der Kinderarztpraxis oder in einer Apotheke beraten lassen.
Alkohol in anthroposophischen Arzneimitteln bei Weleda
In der Anthroposophischen Medizin steht nicht allein der isolierte Wirkstoff im Mittelpunkt, sondern die Pflanze als Ganzes – mit allen charakteristischen Inhaltsstoffen, die ihr therapeutisches Potenzial ausmachen. Für die Wirkweise bestimmter anthroposophischer Arzneimittel ist der Einsatz von Alkohol als Lösungsmittel daher in der Regel nicht ersetzbar – er ist die Voraussetzung dafür, ein möglichst breites Wirkstoffspektrum einer Pflanze in das Präparat zu überführen.
Das Rh-Verfahren: alkoholfreie Alternative von Weleda
Mit Hilfe des Weleda-spezifischen Rh-Verfahrens entstehen aus Frischpflanzen spezielle wässrige Präparate. Primär wurde es entwickelt, um rhythmische Prozesse im Körper anzuregen.
Die so entstandenen fermentierten Präparate enthalten keine Konservierungsstoffe. Um die begrenzte Haltbarkeit angebrochener Packungen zu berücksichtigen, sind die wässrigen Rh-Dilutionen nur in kleinen Fläschchen von 20 ml erhältlich. Erkennbar sind Rh-Präparate am Kürzel „Rh" im Produktnamen. Sie eignen sich auch für Patienten, die aus gesundheitlichen, religiösen oder persönlichen Gründen auf Alkohol verzichten möchten.
Mehr zum Rh-Verfahren erfahrt ihr hier:
Bei Einhaltung der für die entsprechende Altersgruppe empfohlenen Dosierung ist die aufgenommene Alkoholmenge für Kinder in der Regel unbedenklich und liegt unter der Menge, die über natürliche Lebensmittel wie Apfelsaft oder Brot aufgenommen wird. Bei Unsicherheit oder bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer alkoholhaltiger Arzneimittel sollte man sich in der Kinderarztpraxis oder Apotheke beraten lassen.
Es kommt darauf an, ob der in der Herstellung von Arzneimitteln verwendete Alkohol durch natürliche Gärung gewonnen oder synthetisch hergestellt wurde. Weleda verwendet kein synthetisches Ethanol.
Schwangere und Stillende sollten grundsätzlich alkoholfreie Arzneimittel bevorzugen und vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. In begründeten Fällen und nach ärztlicher Empfehlung können alkoholhaltige Präparate auch während der Schwangerschaft eingesetzt werden.







