Emotional bereit für die Zeit nach der Geburt : 5 Tipps


Weleda Group·6/25/2026
Gut vorbereitet in die Zeit nach der Geburt: Erfahre, wie ihr gut vorbereitet in die erste Zeit nach der Geburt geht und damit eine gute Basis für dein Wochenbett schafft.

Die Wickelkommode steht, der Schlafsack ist gekauft: Trotzdem fühlt sich irgendetwas noch unvollständig an. Kein Wunder, denn die emotionale Vorbereitung auf das Elternwerden kommt in den meisten Checklisten schlicht nicht vor. Dabei ist genau sie das Fundament, das trägt, wenn das Baby da ist und alles auf einmal kommt.

Unsere fünf Tipps zur Vorbereitung helfen dir dabei.

Darf ich das überhaupt fühlen? Über Gefühle nach der Geburt

Jedes Gefühl nach der Geburt hat seine Berechtigung. Freude, Überforderung, Erschöpfung und Zweifel können gleichzeitig existieren.

Wer ein Kind erwartet, bekommt viel über das glückliche Babyglück erzählt. Die selig lächelnde Mutter aus der Werbung kennen wir alle. Genau das Bild macht es so schwer, weil die Realität anders aussieht und Elternwerden ein echter Prozess zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist. Wochenbett bedeutet Milch, Schweiß, Wochenfluss und Tränen, das sagt euch die Hebamme ganz offen. Auch Lächeln gehört dazu, aber vielleicht eher ungeduscht und ohne Make-up.

Postpartale Depressionen treffen nicht nur Mütter, sondern auch Väter. Wer sich schon während der Schwangerschaft damit beschäftigt, weil es vielleicht in der Familie Vorbelastungen gibt, kann im Ernstfall schneller reagieren und Hilfe holen.

Kann das schon vorher weg? Die Not-to-do-Liste für die Elternzeit

Elternzeit ist keine Freizeit mit Baby. Statt To-dos anzuhäufen, lohnt es sich, vor der Geburt konkret zu überlegen, was sich streichen oder abgeben lässt.

Viele Eltern gehen mit der Vorstellung in die Elternzeit, endlich die Steuererklärung nachzuholen oder das Fotoarchiv zu sortieren. Ein Neugeborenes hat aber andere Pläne. Und das ist keine Übertreibung: Allein das Stillen ist ein Vollzeitjob.

Dazu kommt: Der Körper braucht nach Schwangerschaft und Geburt Zeit zur Erholung. Rückbildung, Laktation, Neufindung, all das benötigt Raum. Wer das unterschätzt, landet schnell in der Überforderung.

Konkrete Fragen, die jetzt schon helfen:

  • Wer aus Familie oder Freundeskreis kann aktiv und konkret unterstützen – und wie genau?

  • Gibt es Einkaufslieferdienste, die die Versorgung erleichtern?

  • Ist eine Reinigungskraft, Haushaltshilfe oder Mütterpflegerin möglich, vielleicht sogar als Geschenk?

  • Was steht jetzt auf der To-do-Liste, das sich noch vor der Geburt erledigen lässt?

Auch beim Thema Wochenbettbesuch gilt: Weniger ist oft mehr. Wer Besuche vorab klar kommuniziert und begrenzt, tut sich einen großen Gefallen.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn es schwierig wird?

Niemand muss durch die Zeit nach der Geburt allein. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe zu suchen.

Die Hebamme im Wochenbett übernimmt dabei eine wichtige Lotsenfunktion: Sie begleitet den physiologischen Verlauf, erkennt erste Anzeichen von Schwierigkeiten wie eine Wochenbettdepression und kann gezielt weiterverweisen, zum Beispiel an Psychologinnen oder Psychologen, Stillberaterinnen oder andere Fachpersonen.

Auch für Familien ohne Hebammenbetreuung gilt: Besser vorher erkundigen, wer in der Nähe unterstützt. Welche ärztlichen, therapeutischen oder beratenden Angebote gibt es? Welche Elterngruppen oder Kurse? Vorher zu recherchieren ist geringer Aufwand und spart im Notfall wertvolle Zeit.

Und nicht zuletzt: Der Austausch mit anderen Eltern kann Gold wert sein. Nicht zum Vergleichen, sondern um zu hören, dass es anderen genau so geht. Das Gefühl, verstanden zu werden kann in herausfordernden Nächten sehr viel bedeuten.

Muss ich als Elternteil sofort alles können?

Niemand ist von Anfang an ein perfektes Elternteil. Genau wie das Baby geboren wird, werden auch Eltern erst „geboren“. Das ist kein Fehler, sondern der Beginn einer Entwicklung.

Egal wie viele Bücher du gelesen hast, wie viele Kurse du besucht hast oder wie viele Gespräche du geführt hast: Als Elternteil wirst du in Situationen geraten, in denen du dich alles andere als kompetent fühlst.

Im Wochenbett müssen sich Rollen, Aufgaben und Abläufe erst neu finden. Was vorher geplant war, passt oft nicht mehr zur Realität mit Baby. Und bei jedem Kind ist das wieder anders: Jedes kleine Wesen kommt mit seinem eigenen Temperament, seinen eigenen Bedürfnissen.

Es kann helfen, sich bereits während der Schwangerschaft folgende Gedanken zu erlauben: Ich werde lernen. Ich muss nicht alles sofort wissen. Ich wachse mit meinen Aufgaben.

Wie vergesse ich mich selbst nicht?

Eltern, denen es gut geht, können für ihr Kind besser da sein. Die eigenen Bedürfnisse zu kennen und schützen ist eine gute Selbstvorsorge.

Wer längere Zeit zu wenig schläft, dessen Stimmung, Geduld und Urteilsvermögen leiden spürbar. Das zu wissen und vorher über Strategien nachzudenken, ist ein echter Schutzfaktor.

Was tut dir persönlich gut? In welchen Momenten kannst du auftanken, auch wenn nur kurz? Vielleicht ist es ein Spaziergang allein, ein heißes Getränk in Ruhe, Musik, Sport, ein Gespräch mit einer Freundin. Einiges davon wird nach der Geburt zunächst schwerer sein, aber auch die kleinen Momente zählen.

Schon in der Schwangerschaft darüber nachzudenken, was dich stabilisiert, und konkrete Wege zu finden, diese Dinge auch mit Baby möglich zu machen, ist eine gute emotionale Vorbereitung auf die Geburt.

Häufige Fragen zur emotionalen Vorbereitung auf die Zeit nach der Geburt (FAQ)

Was versteht man unter emotionaler Vorbereitung?

Eltern sollten sich, sich nicht nur körperlich, sondern auch mental auf die Zeit nach der Geburt einzustellen. auf Gefühle, Herausforderungen und die veränderte Lebenssituation.

Während klassische Geburtsvorbereitungskurse vor allem Atemtechniken, den Geburtsablauf und die erste Wochenbettzeit erklären, geht die emotionale Vorbereitung tiefer: Welche möglichen Herausforderungen erwarten uns als Eltern? Was brauche ich als Elternteil, wenn alles auf einmal kommt? Wie teilen wir Care Arbeit und Mental load fair auf?

Ab wann sollte ich mit der Vorbereitung beginnen?

Je früher, desto besser. Aber auch wer erst im letzten Trimester damit beginnt, profitiert. Entscheidend ist nicht der Zeitpunkt, sondern die Auseinandersetzung mit dem Thema.

Geburtsvorbereitungskurse werden meist spätestens ab der 28. Schwangerschaftswoche empfohlen. Parallel dazu solltet ihr über eure Vorstellungen vom Elternsein reden und über emotionale Aspekte nachdenken.

Wie unterstützt eine Hebamme bei der “emotionalen Geburtsvorbereitung”?

Hebammen begleiten nicht nur die körperliche Geburtsvorbereitung, sondern sprechen auch Überforderung, Gefühle und Erwartungen an, sowohl vor als auch nach der Geburt.

Im Wochenbett haben Hebammen zudem eine Schlüsselfunktion: Sie erkennen erste Anzeichen von postpartalen Krisen, Überforderung oder auch psychischen Erkrankungen und können gezielt Unterstützung vermitteln.

Was ist eine postpartale Depression und wie erkenne ich sie?

Eine postpartale Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die im ersten Jahr nach der Geburt auftreten kann, bei Müttern wie bei Vätern. Typische Zeichen sind anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Angstzustände und das Gefühl, als Elternteil zu versagen.

Besprich dein Befinden mit deiner Hebamme. Wenn die Gefühle anhalten, solltest du professionelle Hilfe suchen, beim Hausarzt, der Psychologin oder der Psychiaterin. Früh erkannt, ist eine postpartale Depression gut behandelbar.

Was gehört zur emotionalen Erstausstattung für Eltern?

Zur emotionalen Erstausstattung gehören Selbstkenntnis, realistische Erwartungen, ein Unterstützungsnetzwerk, Wissen über Hilfsangebote und das Zugeständnis an sich selbst, nicht perfekt sein zu wollen bzw zu müssen.

Diese „Ausstattung“ kostet kein Geld, aber sie erfordert bewusste die Auseinandersetzung mit dem neuen Alltag und seinen Anforderungen. Dafür ist die Schwangerschaft ein guter Zeitraum.

Wie plane ich Unterstützung im Wochenbett konkret?

Konkret heißt: nicht auf spontane Hilfsangebote warten, sondern aktiv anfragen und benennen, was gebraucht wird. Das kann Einkaufen, Kochen, Geschwisterkinder betreuen oder einfach gute Gesellschaft leisten bedeuten. Wer jetzt überlegt, wer was übernehmen könnte, macht es sich im Ernstfall einfacher.