Nachhaltigkeit zu leben ist auch eine Chance, mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen!

Bei Weleda setzen Sie auf die drei großen „V“ als Verhaltensgrundsätze Vorbild, Vertrauen und Verantwortung. Setzen Sie das auch privat um?

Ja, das kann man sogar im Umgang mit seinen Kindern umsetzen. Ich muss meinen Kindern Vorbild sein, da sie meine Art, zu leben, imitieren. Wenn ich ihnen einen achtsamen Umgang mit der Umwelt und unseren Mitmenschen vorlebe, dann ist das ein guter Schritt in die richtige Richtung. Ich kann ihnen Vertrauen schenken. Indem ich sage: „Du schaffst das“ stärke ich sie darin, sich etwas zuzutrauen. Ich kann ihnen Verantwortung näher bringen. So sage ich bei den Mahlzeiten gerne zu meinem Sohn: „Nimm Dir nur so viel, wie Du auch essen kannst.“ Ich erkläre ihm, dass es viele Kinder auf der Welt gibt, die nichts zu essen haben und dass man daher achtsam mit Nahrung umgehen sollte. Das vermittelt ihnen ein Gefühl dafür, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. 

 

Sie sind Nachhaltigkeitsmanager bei Weleda. Wie kann ich Kindern das Thema Nachhaltigkeit näher bringen?

Nachhaltigkeit sollte altersgerecht vermittelt werden. Mein dreijähriger Sohn kann mit Begriffen wie Ressourcenschonung oder Energiesparen noch nichts anfangen. Ein guter Weg ist sicherlich ein spielerischer Umgang mit dem Thema und dass ich einen bewussten Lebensstil im Alltag vorlebe. Ein einfaches Beispiel ist das Thema Müll-Trennung. Wenn ich Flaschen zum Container bringe, mache ich für meinen älteren Sohn ein Spiel daraus. Er findet das toll, wenn er die Flaschen nach Farben sortieren darf und dann mit lautem Rums in den Container werfen kann. Und ich kann nebenbei erklären, warum Recycling Sinn macht. Dadurch wird Nachhaltigkeit zu einer Selbstverständlichkeit und für Kinder erlebbar – und noch dazu macht es Spaß.

 

Haben Sie noch mehr Ideen für den Alltag mit Kindern?

Pflanzen Sie im Garten oder auf dem Balkon gemeinsam etwas an wie z.B. Erdbeeren. Das bringt Kindern die Natur näher, sie können sie anfassen und fühlen. Kinder lieben es, in der Erde rum zu matschen, kommen so in Kontakt mit Würmern, lernen den Kreislauf des Lebens kennen. Und es ist herrlich, wenn man selbst geerntete Erdbeeren essen kann, statt in Plastik verpackte aus dem Supermarkt. Auch bewältigen wir längere Strecken gerne mit dem Zug statt mit dem Auto – und das nicht nur aus Umweltgründen. Im Auto sitzt man ja meist starr neben- und hintereinander. Im Zug kann ich die Reisezeit viel interaktiver gestalten, den Kindern die Landschaften erklären, durch die wir fahren. Das ist für alle ein echter Mehrwert: Ich habe Zeit für die Kinder, kann ihnen zuhören, es stärkt das vertrauensvolle Miteinander.

 

Geht es dabei auch um Wertschätzung?

Ja, diese kann man auf vielfältige Weise vermitteln. Wir radeln am Wochenende mit den Kindern gerne zum Einkaufen raus auf einen Bio-Bauernhof. Sie lernen so viel darüber, woher unsere Lebensmittel kommen. Sie sehen Kühe, Schweine und Hühner, wir vermitteln ihnen, was es heißt, wenn man von „glücklichen Hühnern“ spricht. Auch lernt mein Sohn, dass für die Wurst ein Tier geschlachtet wurde. Er bekommt ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln. So kann es für ihn eine Selbstverständlichkeit werden, nachzufragen, woher das Essen stammt, das er isst.

 

Was kann ich sonst noch tun, um Kindern die Natur näher zu bringen?

Versuchen Sie, die Welt mehr mit den Augen der Kinder zu sehen. Wenn ich mit meinem Sohn oder meinen Patenkindern in den Wald gehe, spielen sie mit Stöcken und Steinen. Sie entdecken Pflanzen und Käfer, die ich vielleicht übersehen hätte. Dazu muss man noch nicht mal auf dem Land wohnen – jede Stadt hat doch auch Parks, in die man gehen kann. Auf solchen „grünen“ Streifzügen kann man spannendes Wissen zu den entdeckten Pflanzen oder Tieren und dem Kreislauf der Natur weitergeben. Auf diese Weise haben schon meine Eltern und Großeltern den Grundstein meiner Naturverbundenheit gelegt.